
Dirt Crone ist ein wortloses feministisches Performance-Ritual, das Butoh, Clown und Live-Gesang verbindet.
Am Rand zwischen dem Menschlichen und dem Wilden angesiedelt, folgt das Stück einer Hexe/Greisin, die nach dem Tod ihres Geliebten allein im Wald lebt. Durch repetitive, ritualisierte Handlungen – ein Grab pflegen, Essen zubereiten, reinigen, graben – entfaltet sich ihr Alltag als eine Choreografie von Fürsorge und Überleben.
Während sie in ihrem Garten arbeitet, gräbt sie ein Wurzelgemüse aus, das in Größe und Form auf verstörende Weise menschlich wirkt. In verzweifelter Trauer beginnt sie, es zu pflegen, als wäre es ihre verlorene Liebe: Sie säubert es, füttert es und beginnt, mit ihm zu leben. Aus dieser seltsamen Intimität heraus werden Erinnerung und Fantasie immer stärker: Die Greisin verwandelt sich in ihr jüngeres Selbst – sinnlich, wild und ungebändigt. Frei feiert sie ihre jugendliche Schönheit und Souveränität.
Diese Wiederverwilderung des Körpers führt zu überbordender Fruchtbarkeit. Sie bringt nicht nur ein Kind zur Welt, sondern viele, und der Raum füllt sich mit schwebenden Formen, die das Publikum zum Mitspielen und zur Teilnahme einladen. Was als Freude beginnt, wird zur Überforderung. Fürsorge verwandelt sich in Verpflichtung. Der endlose Anspruch, zu nähren und zu kümmern, wird unerträglich.
In einem letzten Akt der Verweigerung zerstört sie, was sie geschaffen hat, und ist wieder nur sich selbst. Wenn das Ritual endet, ist sie wieder alt. Wieder allein. Und frei.
Dirt Crone ist eine Wiederverwilderung von Weiblichkeit, Altern und Reproduktion. Die Arbeit widersetzt sich Domestizierung, verpflichtender Fürsorge und Erzählungen von „erfolgreicher“ Weiblichkeit und eignet sich Wildheit, Trauer und Autonomie als Akte von Überleben und Freude wieder an.